Lüftungssystem oder Fenster auf?

Rund 80 Prozent des Energieverbrauchs in privaten Haushalten wird für Heizung und Warmwasseraufbereitung verwendet. Mit einer gut gedämmten und möglichst luftdichten Gebäudehülle kann man erreichen, dass die Raumwärme nicht an die Umwelt abgegeben wird, was letztlich die Heizungskosten reduziert. Klingt gut, hat aber auch einen großen Nachteil: Nahezu luftdicht heißt, es findet kaum Luftaustausch statt. Und wenn dieser nicht stattfindet, herrscht nicht nur dicke Luft in den Zimmern, was sich negativ auf das Wohlbefinden der Nutzer auswirkt, sondern es wird nicht genug Feuchtigkeit aus den Räumen abgeführt, wodurch die Gefahr von Schimmelbefall besteht.

Bevor in Deutschland im großen Umfang damit begonnen wurde, Gebäudehüllen besser abzudichten, war Schimmel in Wohnungen eher selten ein Problem. Doch inzwischen schätzen Experten, dass zwei von drei Haushalten in Deutschland von Schimmelbefall betroffen sind. Gegen Schimmel (wenn die Ursache kein Baumangel ist) hilft nur ein ausreichender Luftaustausch. Also Fenster auf!

Eine auf den ersten Blick pragmatische Lösung wäre es also, alle zwei Stunden von Hand zu lüften. Doch damit würde man die Wärme doch wieder zum Fenster rauslüften, was natürlich den Einspareffekt durch die Dämmungsmaßnahmen etwas reduziert. Es klingt schon etwas irre. Erst sorgen wir mit viel Aufwand dafür, dass unsere Häuser dicht werden und keine Wärme mehr entweichen kann und dann reißen wir mehrfach am Tag die Fenster auf und lassen auf die Art die Wärme doch entweichen. Und je besser ein Haus gedämmt ist, umso wichtiger wird das regelmäßige Lüften.

Eine Lösung dieses Problems bietet der Einsatz eines Lüftungssystems mit Wärmetauscher. Genau genommen, bleiben jene Hausbesitzer, die durch eine nahezu dichte Gebäudehülle Energie sparen wollen, aber kein Lüftungssystem einbauen, auf halben Wege stehen.

Bei einer umfassenden Sanierung empfehlen Experten daher unbedingt den Einbau einer Lüftungsanlage. Trotzdem können sich viele Hausbesitzer nicht so richtig mit der automatischen Lüftung anfreunden und ziehen die normale Fenster-Lüftung vor. Einerseits scheuen sie die Investition, weil sie meinen, dass sich die Anlagen nicht rentieren. Anderseits gibt es viele Vorbehalte. Viele möchten nicht auf das Öffnen der Fenster verzichten. Ich kann nur bei geöffnetem Fenster schlafen, ist ein häufig genannter Grund. Nicht wenige befürchten Geräusch- oder Zugluftbelästigungen durch den Betrieb der Anlage oder glauben, dass die Raumluft zu trocken ist und der gleichen mehr. Doch die Praxis widerlegt derartige Bedenken. Wer einmal in einem Haus mit Lüftungssystem wohnt, möchte es nicht mehr missen.

 

Lohnt sich eine Lüftung mit Wärmetauscher?

Um sich wohlzufühlen, braucht ein Mensch pro Stunde mindestens 30 Kubikmeter frische Luft. Daher muss regelmäßig gelüftet werden. Außerhalb der Heizperiode ist dies in der Regel kein Problem. Doch im Winter bringt das Aufreißen der Fenster einen Verlust an erzeugter Heizwärme. Und der ist größer als viele vermuten: Bei konventionellen Gebäuden summiert sich dieser Wärmeverlust auf bis zu 50 Prozent; bei modernen Passivhäusern sogar auf bis zu 70 Prozent. Also etwa 50 bis maximal 70 Prozent unserer Heizkosten schmeißen wir im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster hinaus. Der Einsatz einer kontrollierten Wohnraumlüftung vermeidet einen Großteil dieser Wärmeverluste und ermöglicht die Rückgewinnung der Abluftwärme durch einen Wärmetauscher oder eine Wärmepumpe. Moderne Lüftungsanlagen erreichen enorme Wärmerückgewinnungsraten von bis zu 90 Prozent und arbeiten damit äußerst energieeffizient.

Zudem arbeiten die Systeme stromsparend: So sind sie in der Lage, mehr als das 15-fache an Kilowatt pro Stunde an Wärme aus der Abluft im Gebäude zurückzuerhalten, wie sie selbst an Strom zum Betrieb benötigen. Also ähnlich wie bei der Wärmepumpe wird deutlich mehr Energie (Wärmeenergie) gewonnen als Energie (Strom) hineingesteckt wird.

 

Einsparung vom Heizkosten nicht der einzige Effekt

Viel Hausbesitzer, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, eine Lüftung einzubauen, fragen sich: Ab wann macht sich eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung durch eingesparte Heizungskosten bezahlbar? Die Amortisationszeit lässt sich nicht genau berechnen, denn sie ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise vom Wärmebedarf, von der Effizienz der Heizung, dem Sanierungszustand des Gebäudes, Wohnfläche, Heizungsverhalten der Nutzer, eingesetzter Energieträger, künftige Preisentwicklung von Öl und Gas usw. Es ist schon allein ein Unterschied, ob das Gebäude in einer kalten Region im Erzgebirge oder in einer eher milderen Gegend steht.

Die Heizungskosten für ein saniertes Einfamilienhaus von 140 Quadratmetern Wohnfläche liegen derzeit zwischen 700 und 1200 Euro pro Jahr. Bei einem Jahresverbrauch von 800 Euro sind durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nach Abrechnung der eingesetzten Energie- und Wartungskosten Einsparung von jährlich etwa 300 Euro realistisch.

Schaut man sich nun die Anschaffungskosten eines Lüftungssystems mit Wärmerückgewinnung an, so stellt sich schnell Ernüchterung ein. Bei Investitionskosten zwischen etwa 9.000 bis 12.000 Euro dauert es theoretisch etwa 30 Jahre, bis sich die Anlage bezahlt macht. ABER! Dies ist eine Milchmädchenrechnung, bei der davon ausgegangen wird, dass sich die Heizkosten in den nächsten 30 Jahren nicht erhöhen. Und davon ist nicht auszugehen. Der Energiehunger der Welt ist groß und die Ressourcen werden knapper. Steigen in den kommenden Jahren die Energiekosten, reduziert das die Amortisationszeit. Abgesehen davon bleiben bei der Milchmädchenrechnung auch eventuelle Kosten für Schimmelbeseitigung oder Sanierungsarbeiten durch Schimmelbefall unberücksichtigt, von damit verbundenen Ärger oder der gesundheitlichen Beeinträchtigung abgesehen.

Dennoch wird die Aussicht, dass man durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung endlich nach 20 oder vielleicht 15 Jahren Kosten spart, nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen. Es gibt zweifellos effektivere Möglichkeiten, um Geld zu sparen. Doch Einsparung von Heizkosten ist nicht der einzige Grund, warum Hausbesitzer oder Wohnungseigentümer auf diese Technologie setzen sollten.

 

Lüftungsanlage Vorteil: Keine Schimmelbildung

Falsches Lüftungsverhalten der Bewohner und damit Schimmelbildung gehört in Gebäuden mit Lüftungsanlagen der Vergangenheit an. Die durch Atmen, Duschen, Kochen, Wäschewaschen usw. entstehende Feuchtigkeit wird regelmäßig aus den Räumen entfernt. Schimmelsporen mögen es feucht und können sich dadurch nicht entwickeln.

Wie bereits oben erwähnt, ist das Risiko von Schimmelbildung in Häusern mit nahezu dichten Gebäudehüllen sehr hoch. Wer auf die Anschaffung einer Lüftung verzichtet, weil er sich die Investitionskosten von ca. 9.000 Euro sparen will und anschließend mit Schimmelbefall zu kämpfen hat, gesundheitliche Probleme bekommt und mehrere Tausend Euro ausgeben muss, um den Schimmel und dadurch entstandenen Schäden zu beseitigen, hat definitiv am falschen Ende gespart. Wer jahrelang trotz intensiven Lüftungsverhalten immer wieder mit Schimmel zu kämpfen hatte, wird die Vorteile einer Lüftung und einer schimmelfreien Wohnung zu schätzen wissen.

 

Lüftungsanlage Vorteil: Ideal für Allergiker

Die Luft in unseren Wohnungen ist oft nicht so sauber, wie wir es glauben. Allergiker spüren dies besonders intensiv. Die in Möbeln, Teppichen, Kleidung oder in Gegenständen aus Kunststoff enthaltenen Schadstoffe werden allmählich an die Raumluft abgegeben und können bei sensiblen oder kranken Menschen Beschweren auslösen. Eine Lüftungsanlage sorgt dafür, dass es gar nicht erst zu einer dicken Luft kommt und führt kontinuierlich die verbrauchte Luft und damit die darin enthaltenen schädlichen Stoffe ab.

Wer unter Heuschnupfen leidet, hat oft dass Problem, dass er gern das Fenster aufreißen möchte, um die stickige Raumluft loszuwerden, sich aber damit auch mit der Frischluft Pollen ins Zimmer holt. Er hat die Wahl zwischen stickiger Luft oder pollenbelasteter Frischluft. Wer hingegen eine Lüftungsanlage hat, muss keine Fenster öffnen. Pollen werden so wirkungsvoll ausgesperrt und dennoch kann man frische Luft genießen.

Lüftungsanlagen sorgen also für ein prima Klima, für eine gesunde Raumluft, steigern das Wohlbefinden und die Lebensqualität – übrigens nicht nur für Allergiker.

 

Lüftungsanlage Vorteil: Lärm aussperren

Laut Umweltbundesamt fühlen sich rund 76 Prozent der Deutschen in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehr gestört oder belästigt. Etwas mehr als zwei Fünftel der Bevölkerung fühlen sich durch Fluglärm gestört. Und jeder Dritte beklagt sich über Lärm durch Schienenverkehr. Dank moderner Technologien ist es inzwischen möglich, Fenster mit hohen Schallschutzeigenschaften herzustellen. Doch wenn gelüftet werden muss, dringt der Lärm dann doch ungehindert in die Wohnung.

In Verbindung mit Schallschutzfenstern sind Lüftungsanlagen ein nahezu perfekter Lärmschutz. Denn wir können tagsüber bei geschlossenen Fenstern ungestört vom Straßenverkehr die Ruhe in unserer Wohnung und zugleich eine optimale frische Luft genießen und in der Nacht schrecken wir nicht aus dem Schlaf auf, wenn durch das geöffnete Fenster der Lärm eines vorbei donnernden Autos herein kommt oder ein verspäteter Kneipengänger uns mit seinem lauten „Gesang“ erfreuen möchte.

 

Lüftungsanlage Vorteil: Einbruchschutz

Zwei Drittel alle Einbrecher steigen über geöffnete Fenster ein. Oft haben die Bewohner schlicht beim Verlassen des Hauses das Schließen der Fenster vergessen. Viele unterschätzen auch das Risiko und lassen die Fenster bewusst angekippt, um für Frischluft zu sorgen.

Wer eine Lüftungsanlage besitzt, hat auch ohne geöffnete Fenster immer frische Luft in seiner Wohnung. Man muss keine Fenster mehr öffnen und vergisst somit auch nicht, sie wieder zu schließen, wenn man das Haus verlässt. Damit ist das Risiko, dass Einbrecher ein offenes Fenster vorfinden und zum Bruch nutzen, deutlich geringer. Lüftungsanlagen erhöhen also – sozusagen als Nebeneffekt - die Sicherheit in den eigenen vier Wänden.

 

Lüftungsanlage Vorteil: Komfort

Die Bedienung einer Lüftungsanlage ist einfach. Entsprechend der zeitlichen Nutzung der einzelnen Räume lassen sich entsprechende Programme auswählen und einstellen. Bei Abwesenheit läuft die Lüftungsanlage im Minimal-Betrieb, bei Anwesenheit im normalen Modus und bei vollem Haus hilft eine intensive Belüftung für ein gutes Klima. Ist die Anlage zusätzlich mit Sensoren ausgestattet, kann die Lüftung sogar selbstständig die bedarfsgerechte Steuerung übernehmen.

 

Tipps zur Anschaffung einer Lüftungsanlage

Die Wahl des passenden Lüftungssystems hängt von vielen Faktoren ab. Handelt sich um einen Neubau oder um eine Nachrüstung im Rahmen einer Sanierung? Auch die Gebäudegröße, die Anzahl der Zimmer, Bewohner und deren Nutzungsverhalten spielen eine Rolle. Auf jeden Fall sollten Sie sich ausführlich von einem Fachmann beraten lassen. Prinzipiell besteht die Wahl zwischen einer dezentralen oder zentralen Lüftungsanlage.

 

Zentrale Lüftungen

Wie es der Name bereits vermuten lässt, werden die Wohnräume über ein Luftkanalsystem mit einem zentralen Lüftungsgerät verbunden. Das Luftkanalsystem wird entweder in der Decke oder im Fußboden verlegt und versorgt die Räume mit frischer Luft.

Allerdings müssen bei dieser Lösung die Rohrleitungen für die Luftverteilung im gesamten Haus oder der kompletten Wohneinheit verlegt werden. Durch den höheren baulichen Aufwand kommen daher zentrale Wohnraumlüftungsanlagen eher bei Neubauten oder Kernsanierungen in Frage.

 

Dezentrale Lüftungen

Eine dezentrale Lüftung wird meist dann eingesetzt, wenn nur einige Räume der Wohnung bzw. des Hauses gelüftet werden sollen. Die Montage ist im Vergleich mit zentralen Anlagen einfacher und nicht so aufwendig. Daher sind sie zur preiswerten Nachrüstungen von Bestandsbauten gut geeignet.

Kombiniert mit einer Wärmerückgewinnung bieten sich dezentrale Lüftungsgeräte sehr gut für den Einsatz in Feuchträumen wie zum Beispiel Bädern, aber auch feuchten Heizungskellern an.

Die Montage ist einfach und kann ohne großen Aufwand realisiert werden. Meistens genügen eine Kernlochbohrung durch die Außenfassade und ein Stromanschluss für das Lüftungsgerät.

 

Worauf ist bei Planung und Installation zu achten?

Das zentrale Lüftungsgerät kann im Keller, auf dem Dachboden oder in einer Abstellkammer untergebracht werden. Allerdings sollte die Anlage für Filtertausch und Wartungsarbeiten gut zugänglich sein. Optimal ist es, wenn der Aufstellungsort zentral liegt, sodass alle Räume über kurze Lüftungsleitungen erreicht werden können, was letztlich Montagekosten spart.

Moderne Lüftungsgeräte arbeiten sehr leise und sind meist mit Schwingungsdämpfern versehen. Werden sie auf Beton oder Estrich gestellt, sind daher keine zusätzlichen Schalldämmmaßnahmen notwendig. Auf Holzbalkendecken empfiehlt sich aber eine zusätzliche Entkopplung der Anlage durch eine Betonplatte mit Schwingungsdämpfern.

Damit die Anlage auch wirklich saubere Luft in die Räume bringt, sollte die Stelle, wo die Außenluft angesaugt wird, sorgfältig ausgewählt werden - also nicht in unmittelbarer Nähe von Pkw-Stellplätzen, Garagen oder Hauptverkehrsstraßen. Auch versteht sich, dass der Ausstoß der verbrauchten Luft nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lufteinlass erfolgen sollte.